Donnerstag, 3. Dezember 2009

Och. Mensch.


Vorweg: wäre der Kaugummi so präsent wie der obige des Weges gekommen, dann müsste ich mich jetzt weniger aufregen. Aber nein, so funktionierts natürlich nicht. Deshalb bin ich reingetreten, auf dem Heimweg nämlich. Und das muss ein chemisch veränderter Kaugummi gewesen sein, denn das Ding klebte so hartnäckig an meinen zierlichen Stiefelchen, dass selbst die hartnäckigsten Fußabstreifbemühungen nichts gebracht haben.

Derart gehandicapt, humpelte ich mürrisch gen Drogeriemarkt. Je mehr Dreck und Staub am Kaugummi hängenbleibt, umso weniger Klebkraft, dachte ich mir. Wird dann schon von alleine abfallen. Allerdings. Da kannte ich die Bodenbeschichtung des Drogeriemarktes noch nicht. Deren molekulare Zusammensetzung muss beim Kaugummi Liebe auf den ersten Haft ausgelöst haben, denn sobald ich zwei Schritte in den Laden getreten war, lief das Scheißding zu neuer Hochform auf und nagelte mich quasi an den Untergrund. Weil ich mir das von einem Kaugummi nicht gefallen lasse, lief ich ganz störrisch weiter. Um nach ein paar Metern lange dünne Kaugummifäden hinter mir her zu ziehen. Als wäre mein linker Fuß Spiderman.

Beim Verlassen des Marktes hatte ich nicht nur im ganzen Geschäft Kaugummifäden verteilt, sondern auch dutzende skeptischer bis angeekelter Blicke auf mich gezogen sowie den Unmut mindestens einer Angestellten.

Ach ja: mit einem Streichholz die Reste des Monstergummis aus meinen Stiefelsohlen zu popeln, war eine ganz erbauliche Abendgestaltung.

Aber ich darf mich nicht beklagen. Hätte ja auch Hundekacke sein können.

Montag, 30. November 2009

Herzscheiße.

Ein leidvoller Evergreen für alle Fernbeziehungsführer: der montagmorgendliche Abschied am Gleis. Manche müssen Sonntag schon los, das sind dann die richtig armen Schweine.

Das hat sich das Universum schön ausgedacht – eine gut abgestimmte Palette von Empfindungen entfaltet ihr stachliges Bouquet direkt in dem klopfenden Ding links oben, während die Kilometer sich vermehren.

Das will keiner...und tut es sich trotzdem an, weil der olle Muskelklumpen ohne den oder die Eine/n zusammenschrumpeln würde wie eine Rosine.

Freitag, 27. November 2009

Cojones!



Noch eine Sache, die das Universum erschaffen hat, um Menschinnen zu quälen: Männer. Ich konkretisiere: Männer, die ein verqueres Verständnis, sei es bewusst oder unbewusst, von ihrer Männerrolle haben.

Verqueren Männern begegnet frau bevorzugt im beruflichen Kontext.

Heute mittag saß ich mit dem Lieblingsmagazin im Lieblingsrestaurant und freute mich auf marinierte Garnelen und Lektüre. Rechts und links von mir jeweils ein freier Tisch. Ich bestellte, und mit meinem Essen kamen zwei Männergruppen herein, die sich an besagten Tischen niederließen. So weit, so unspektakulär.

Aber dann. Warum zur Göttin haben gewisse Männer das Bedürfnis, ihren Schwanz mitten auf den Tisch zu legen (zum Glück im übertragenen Sinn)? Es war mir nicht möglich, mich auf mein Essen oder meine Zeitschrift einzulassen, denn ich war von Typen umgeben, die in einer unerträglichen Lautstärke über ihre eigene Genialität sprachen.

Eine geschlagene Stunde lang schwafelten die sich gegenseitig damit zu, was der eine Kunde gesagt und wie schlagfertig man pariert hat, und dass XY ja so unfähig sei und der hdjekh-Abschluss dank der eigenen Schlauheit fast über die Bühne, usw usw usw.

Nervtötende Angeberei allerfiesester Couleur. Und laut! Mein Gott, wieso denn bitte so laut! Zwischendurch wurde sich immer beifellheischend umgeschaut. Ach ja: dies ist keine einzelne Episode, das beobachte ich ganz oft.

Auch in betriebsinternen Meetings wird Penisvergleich geübt bis zum Erbrechen, sofern diese Meetings männerdominiert sind. Jeder will dauernd demonstrieren, wie geil er ist. Geiler als der andere. Competition statt Fakten! Brustrommelnde Gorillas fallen mir dazu als erstes ein. Und am allerschönsten ist, wenn man als Frau ganz rigide in die klassische Frauenrolle verwiesen wird: lieb sein. Leise sein. Kompromissbereit sein. Demütig sein.

Letzte Woche saß ich in einem Termin, in dem relativ hart diskutiert wurde. Ich war als Vertreterin meiner Abteilung dort und habe mich in meiner Tonalität dem herrschenden Tempo angepasst, denn ich möchte für mein Team natürlich das Beste rausholen. Man beachte: ich war weder laut noch beleidigend noch unsachlich. Nach dem Meeting sprach mich eine Führungskraft an und sagte, ich sei ja schon ein wenig aggressiv aufgetreten. Ob denn irgendetwas nicht stimme. Und tätschelte mir die Schulter.

Ich verwette meinen Arsch: wäre ich ein Mann gewesen, dann hätte man mich nicht als aggressiv, sondern als durchsetzungsstark empfunden.

Es ist zum Kotzen.

Mittwoch, 25. November 2009

Egoistisch. Ja, doch.



Jeder kann meinetwegen sich oder andere töten, wie es ihm passt – aber bitte nicht auf meinem Weg zur Arbeit. Die Bahn, ein stetes Höllenloch, fuhr heute morgen aufgrund eines Notarzteinsatzes nicht. So. Kann ja mal vorkommen. Aber offenbar entscheiden sich ausgerechnet auf meiner Bahnlinie zu Gewaltverbrechen oder Suizid. Will heißen, sie schmeißen sich oder andere auf die Gleise.

(Sich vor einen Zug werfen: erscheint nur mir das als ausgesprochen rücksichtslose Art der Selbsttötung? Ich meine, was ist mit den Leuten, die die Sauerei beseitigen dürfen? Was ist mit dem traumatisierten Zugführer?)

Das heißt jedenfalls, dass meine ursprünglich gute Laune von einem sehr langen Fußmarsch an den nächsten Taxistand getrübt wurde. An dem man keine Taxis mehr auf Lager hatte. Also warten.

Aber da ich stets bemüht bin, positives Gedankengut zu etablieren, beschloss ich, das Ganze positiv zu sehen. Hey, mal später im Büro! Weniger arbeiten bis zum Feierabend!


Nein. Das wäre zu einfach gewesen. Das lässt das Universum mir nicht durchgehen. Und beschert mir statt dessen lieber eine Kollegin mit Schweinegrippe. Universum, Du bist ein Arsch.

Donnerstag, 19. November 2009

Stinkt.




Die U-Bahn ist ein nie versiegender Quell der Boshaftigkeit. Deshalb nutzt auch das Universum gerne die öffentlichen Verkehrsmittel: nicht etwa, um von A nach B zu gelangen, sondern um mir nebenbei eins reinzuwürgen.

Und würgen musste ich heute morgen tatsächlich. Dass in auf dem Weg zur Arbeit selten einen Sitzplatz bekomme, nehme ich überhaupt nicht persönlich. So stehe ich eben lesend neben schläfrigen Mitmenschen und harre meiner Ankunft.

Allerdings hinterließ mir der heutige Nachbarsmann beim Aussteigen ein liebliches Präsent: einen widerwärtig schleichenden, unglaublich stinkenden Furz, dessen Odeur (faule Eier, alter Käse und Durchfall) sich erst nach dem Türenschließen voll entfaltete. Da war der Nachbarsmann schon auf dem Bahnsteig und ich hatte keine Möglichkeit mehr, ob des Gestanks den Waggon zu wechseln.

Und das allerschönste daran: auf dem Weg zur nächsten Station blieb die Bahn aus unerfindlichen Gründen einige Minuten lang im Tunnel stehen. Lang genug, um ein paar feindselige Blicke meiner Mitfahrer zu ernten (klar, ich stand ja im Epizentrum des Gestanks) und den Furz bis in die letzte Ecke meiner Nebenhöhlen einziehen zu lassen.

Lieber pupsender Nachbarsmann, wenn Du dies jemals lesen solltest: Du bist ekelhaft, jemand sollte Dir das Handwerk legen, und beim nächsten Mal verkorke ich Dir eigenhändig den Hinterausgang.

Dienstag, 10. November 2009

Ist das normal?




Manche Menschen sind einfach scheiße. Ich meine nicht die, die man schon kennt und aus gutem Grund scheiße findet, sondern die anderen.

Die, denen man in der Bahn, beim Arzt oder im Supermarkt begegnet und auf den ersten Blick verabscheut. Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich glaube nicht.

Gestern bei Edeka: Ich, gerade der stinkenden überfüllten U-Bahn und dem strömenden Regen entflohen und mit der Absicht, ein paar Lebensmittel zu erstehen. Schnell einen Korb geschnappt und zum Gemüseregal geeilt. Wo mir eine wild telefonierende Prekariatsbratze den Zugriff versperrte, indem sie mit ihrem schwer übergewichtigen Körper den Gang blockierte.

Nun ist man ja ein höflicher Mensch (mein Pessimismus findet eher innen statt) und möchte das vielleicht wichtige Gespräch nicht unterbrechen und sich auch nicht rüde vorbeidrängeln und die fremden Melonen anrempeln. Deshalb machte ich eine freundlich-hinweisende Geste mit der Hand, die besagte: "Entschuldigen Sie, ich möchte Sie nicht unterbrechen, aber würden Sie bitte einen Schritt zur Seite gehen, denn ich hätte gerne eine Zucchini?"

Die Bratze schaut an mir vorbei und nölt derweil in unerträglicher Stimmlage einen vermutlichen Lebensgefährten an: "Ey isch hab Dir fümpf SMS geschiiickt. Wieso schreibst Du nisch zurüüüück." Da würd ich auch nicht zurückschreiben.

Also, wieder Blickkontakt, diesmal mit einem gemurmelten "Entschuldigung, dürfte ich mal..."

Und was macht die Alte? Dreht sich einfach weg. Natürlich, ohne sich einen Millimeter zur Seite zu bewegen. Status quo, nur dass mich jetzt ihr Hinterteil statt dem Vorbau vom Gemüse trennt. Fühle mich zu müde für einen Catfight im Supermarkt.

Dann gibt's heute eben nichts Gesundes.

Montag, 9. November 2009

Auf der Suche nach dem Sinn.

Hach, Luxusprobleme!

Montags ist das Universum immer besonders böse zu mir und stattet mich gleich beim Aufwachen mit hartnäckig schlechter Laune aus. Dann finde ich Dinge blöd, die eigentlich gut sind. Wie die Tatsache, dass ich einen Job habe.

Kurze Flucht in den Supermarkt mit einer Kollegin.

Ich: "Mann, heute würd ich wahnsinnig gerne kündigen. Aber ich habe gemerkt, dass ich dann kein Geld mehr habe."

Kollegin: "Ja, das ist irgendwie so'n Problem." (Pause) "Aber bald ist ja Weihnachtsfeier."


Na, wenn das mal kein Lichtblick ist.

Mittwoch, 4. November 2009

Little things.

Chapeau, Universum!

Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die zählen.

Zum Beispiel bei Graupelschauer in eine eisige, knöcheltiefe Pfütze zu treten, weil einem just eine besonders fette, sichtraubende Schneeflocke ins Auge geknallt ist.

Gräßliche Rollenbilder.

Warum der Feminismus auch und gerade heute kein alter Hut ist? Hmm, da war doch was.

Ach ja:



Gut, jetzt mag man einwenden, dass Disney nicht mir persönlich auf den Fuß treten will mit seinem verkitschten misogynen Schrott. Aber hier zählt alles, was mich aufregt. Und dies hier regt mich auf.
via: thiswasteland.org


Was bei solchen Vorbildern rauskommt, hat Andy Marlette treffend illustriert:



via: Mädchenmannschaft

Tückische Technik.

Moderne Kommunikation ist ja gut und schön, hält aber böse Fallen bereit. Zum Beispiel, wenn man mit zwei Leuten gleichzeitig in zwei Fenstern chattet und aus Versehen in das falsche Chatfenster schreibt.

Und wenn das, was man in das falsche Chatfenster geschrieben hat, auch noch was Privates war, das man eigentlich dem anderen Chatpartner mitteilen wollte. Und nun aber dem einen geschickt hat. Dem man wiederum nichts Privates mitteilen wollte.

Mopfrisur, Waschbäraugen, unfreiwilliger Seelenstriptease: Hallo, lieber Mittwoch!